
Die Zukunft hat begonnen:
Ein Duschvorhang aus Wasser, der integrierte Terminplaner im Spiegel, eine Wassersäule als Raumteiler oder eine Badewanne mit Multimedia-Center, bei dem sich Bild, Ton, Licht und Duft individuell einstellen lassen – diese und andere technische Innovationen werden wie selbstverständlich im Badezimmer zu finden sein. Utopie oder Realität? Beides wahrscheinlich. Auch das Badezimmer hat sich im Laufe der Zeit gewandelt und wird sich weiter verändern. War es früher überwiegend nur ein Ort der Sauberkeit und Hygiene, ist es heute zu einem Ort der Wohltat für Körper und Seele geworden, wo Entspannung, Auftanken und Gesundheit im Mittelpunkt stehen. Sanitärhersteller widmen sich zunehmend diesem Thema und bieten innovative Lösungen an. Doch die Zukunft hat erst begonnen und der Trend zum ganzheitlichen Bad ist nicht mehr aufzuhalten.
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Digitalisierung auf dem Vormarsch
Bereits heute verwenden immer mehr Verbraucher technische Produkte wie ein schnurloses Telefon, MP3-Player, Computer oder Internet in ihrem Badezimmer, wie eine aktuelle Umfrage im Auftrag eines namhaften Armaturenherstellers ergab. Untersucht wurden 14 Märkte in Europa, dem Mittleren Osten, Afrika und Asien, an denen sich über 5000 Verbraucher zwischen 15 und 70 Jahren beteiligten. Im Badezimmer der Zukunft befinden sich verschiedene Spiegel mit integriertem Lichtsystem, eine digitalisierte Powerdusche plus Hamam sowie eingebautem MP3-Anschluss, digital gesteuerte Armaturen mit Sensortechnik, eine personalisierte Personenwaage sowie Computer und Flachbildschirm. Das digitale Zeitalter hält Einzug ins Badezimmer und wird zukünftig diverse neue Möglichkeiten bieten. Dabei werden die digitalen Produkte im Badezimmer allerdings nicht als Eindringlinge wahrgenommen, sondern vielmehr als willkommene, feste Bestandteile, wie die Untersuchung feststellte.
Erlebniswelt Bad
Wasser ist und bleibt die Lebensquelle des Menschen. Es übt nicht nur eine große Faszination aus, sondern spielt im Badezimmer in jeder Beziehung eine zentrale Rolle. Insbesondere der emotionale und haptische Aspekt gewinnt dabei stärker an Bedeutung. Armaturen mit Licht, große Kopfbrausen, Decken-Duschen oder Wasserfall-Armaturen werden zu festen Bestandteilen im Badezimmer, die neben ihrer eigentlichen Aufgabe, Wasser zur Verfügung zu stellen, auch sehr emotionale Momente vermitteln. Wellness beziehungsweise SPA findet zunehmend auch im eigenen Badezimmer statt und trägt somit unmittelbar zur Gesundheit der Menschen bei. Der Aufenthalt im Badezimmer wird immer länger dauern und so zur Quelle der Energie werden.
Mix der Materialien
Das Badezimmer der Zukunft wird nicht nur multifunktionaler, sondern auch individueller sein. Während die Möglichkeiten an technischen Lösungen weiter wachsen, ergeben sich durch die Kombination unterschiedlicher Materialien völlig neue Perspektiven für die Badplanung. Porzellan, Holz, Stein, Marmor, Edelstahl oder andere natürliche Materialien – das Bad der Zukunft besteht aus einem Material-Mix. Harmonisch miteinander kombiniert entstehen Oasen der individuellen Bedürfnisse. Dabei wird die Gestaltung aus einer ganzheitlichen Perspektive betrachtet und löst damit die Frage nach kleinschrittigen Einzellösungen ab.
Aber auch beim Thema „Reinigung“ wird der Fortschritt weitergehen. War einst der „Lotuseffekt“ eine Sensation bei Duschkabinen oder anderen Sanitärprodukten, in dem Wassertropfen von der Oberfläche abperlen, so ist diese Technik heute weit verbreitet. Wie auf der diesjährigen Messe ISH (Abkürzung für Internationale Fachausstellung Sanitär- und Heizungstechnik) in Frankfurt/Main zu bestaunen war, forscht die Industrie verstärkt nach pflegeleichten Materialien, um somit auch den Verbrauch an Reinigungsmitteln und den Zeitaufwand beim Säubern zu minimieren.
Umweltschutz weiter im Fokus
Ein wichtiger Aspekt in den kommenden Jahren wird nach wie vor die weitere Reduzierung des Verbrauchs von Wasser und Energie sein. Insbesondere Wasser als weltweit begrenzte Ressource gewinnt dabei eine immer größere Bedeutung. Dank moderner Technologien konnte zwar der Verbrauch beispielsweise bei WC-Spülung oder Armaturen und Handbrausen in den letzten Jahren weiter reduziert werden, ohne den Komfort oder die Wirkung zu beeinträchtigen, doch weitere Anstrengungen sind nötig. Wie ernst dieses Thema auch von der Industrie genommen wird, zeigt die erst kürzlich gestartete Nachhaltigkeitskampagne unter dem Titel „Blue Responsibility“ vom VDMA-Fachverband Armaturen und dem IFS IndustrieForum Sanitär, die ebenfalls von der VDS-Vereinigung der Deutschen Sanitärwirtschaft unterstützt wird.
Luxus oder Purismus – auch eine Frage der Zielgruppe
Für welches Badkonzept sich der Konsument auch entscheiden mag – Alter, Einkommen und persönliche Vorlieben sind wesentliche Faktoren bei der Entscheidungsfindung. Nicht von der Hand zu weisen ist der demographische Wandel mit der Folge, dass sich unsere Gesellschaft aus immer mehr älteren Menschen zusammensetzen wird. In einer Studie eines bedeutenden Sanitärherstellers in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-
Institut Stuttgart wird deshalb auf die wohlhabenden Senioren ein besonderes Augenmerk gerichtet. Hierbei handelt es sich um eine dynamische Altersgeneration, die sich aktiv am kulturellen und gesellschaftlichen Leben beteiligt, Studienreisen unternimmt und das Leben genießt. Da sie viel Zeit in der Wohnung verbringt, nimmt die Erhaltung der Gesundheit einen hohen Stellenwert ein.
Als weitere Zielgruppe sieht die Studie die „Luxusasketen“ und „Business-Nomaden“. Während bei den Luxusasketen die Ausstattung auf das Wesentliche reduziert bleibt und das Haus als Rückzug in die Privatsphäre gesehen wird, ist die Badeinrichtung beim Business-Nomaden eher praktisch und funktionell. Auf Grund ihrer hohen Mobilität hat diese Zielgruppe einen Hang zum Purismus, der jedoch sehr edel und individuell sein kann.
Welche Zielgruppe auch immer mit den neuen Badkonzepten angesprochen wird, das Badezimmer erwacht aus seinem Dornröschenschlaf und wird zu einem Raum mit Wohlfühlfaktor, der mehr ist als nur ein Ort für Sauberkeit und Hygiene. Text | Dr. Thomas Lücke
Studie Ideal Standard: 1,2, 5
Studie Grohe/Fraunhofer-Institut für
Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Stuttgart: 3, 4, 6, 7
Studie NOA Design/Hansa: 8, 9

Titelfoto: Ausgabe 1.10
Duschabtrennung:
TerraShower Concept,
KORALLE
Waschtisch: Preciosa II,
KERAMAG
Die Ausgabe ist im Handel erhältlich oder hier zu bestellen
KERAMAG, Beschreibung siehe Seite 6titelbild: Duschabtrennung: TerraShower Concept, KORALLE, Waschtisch: Preciosa II, KERAMAG
AusgabInhalt Das Bad 2.09
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